WAZ: Absolut „strange“   (14.08.2008)

Im fernen Nepal arbeitete Dr. Elisabeth Robens ehrenamtlich für „Zahnärzte ohne Grenzen“. Zwei Wochen lang versorgte sie bedürftige Patienten im Himalaya.

Von Kira Selicke

Lembeck/Nepal. Es ist ein Urlaub der besonderen Art, den Zahnärztin Elisabeth Robens im Himalaya in Nepal verbrachte: Zwei Wochen lang arbeitete sie ehrenamtlich für die Organisation „Zahnärzte ohne Grenzen“ im SKM-Krankenhaus bei Sankhu, 20 Kilometer von der Hauptstadt Kathmandu entfernt.

Elisabeth Robens würzt den Bericht von ihrem Abenteuer mit flotten Sprüchen, sie unterstreicht das Gesagte mit Gesten. Die Bilder an der Wand von ihrem Aufenthalt werden geradezu lebendig. Sie holt die abgelegene Welt Nepals ins Wartezimmer ihrer Lembecker Praxis. In Nepal, sagt sie, sei es für einen Europäer „absolut strange“, eigenartig. In Nepal ist alles anders: Die Arbeit, die Menschen, das Essen.

Die Arbeit, mit Harri, dem nepalesischen „dental hygienist“ vor Ort, geht sechs Tage die Woche von acht bis- „offiziell“- 16 Uhr. Nur samstags ist frei. Überstunden sind keine Seltenheit. Muskelkater vom langen Stehen inbegriffen. Am ersten Tag muss sie noch mit einer Taschenlampe die Mundhöhlen erkunden, danach trägt sie eine Bergbaulampe auf dem Kopf. „Das hat einiges erleichtert“, lacht sie. Der Andrang ist groß. Die Patienten werden am Fließband behandelt. Trotzdem fehlen persönliche Momente nicht. „Die waren ja so süß“, schwärmt Robens von 1500 Schülern, bei denen sie in der ersten Woche ein „Check-Up“ machen sollte. Das Interesse der Kleinen an der deutschen Ärztin offenbart sich in zaghaften Ansprachen auf Englisch („What´s your name?“) und viel Gekicher. Ganz begeistert ist sie von den hervorragenden Zähnen von 16 Kindern eines Waisenhauses, die sie am letzten Tag besuchen. „So etwas ist dann schön.“

Statt mehrerer Behandlungszimmer stand Robens in Nepal nur ein Raum zur Verfügung. Das hat auch Vorteile: „Ich musste nicht dauernd von einem Raum zum nächsten rennen.“ Arbeitsmaterial bringen die Ärzte teils selbst mit. Tupfer-Mangel? Robens griff zum Telefon und informierte den Kollegen, der nach ihr anreist. Die Kommunikation unter den Ärzten der Organisation funktioniert.

Die Menschen in Nepal seien trotz ihrer Armut sehr auf das Äußere bedacht, berichtet Robens – durchaus bewundernd: „Vor allem die Frauen laufen in ihren schicken roten Gewändern herum und tragen Schmuck.“ Zu den Menschen, die sie kennengelernt hat, gehören auch neue Arbeitskollegen. Neben Harri ist ihr ein deutsches Rentnerehepaar ans Herz gewachsen. „Die sind fit wie Turnschuhe“, erinnert sich Robens an die Chirurgen, mit denen sie abends in der Krankenhausküche gekocht hat. Das Essen allerdings fällt eintönig aus. Es gibt Reis und Gemüse. „Ich habe einen riesen Nachholbedarf an Fleisch“, gibt sie lachend zu. „Und das Gemüse mussten wir vorm Essen auch erst in Prilwasser einlegen.“ Gegen „die Viecher“ war sie zwar „gewappnet wie ein Ritter“. Gegen einen Pavian, der Bonbons vom Balkon klaut, hilft aber auch keine Fliegenklatsche. Trotz aller Arbeit kam die Erholung nicht zu kurz: „Ich bezahl den Flug, aber da gibt man nix aus. Das Handy funktioniert nicht, man ist also ab vom Schuss und kann abends richtig entspannen. Ich hab drei dicke Bücher durch“, erzählt sie.

Zurück in ihrer Praxis, ist sie wieder im Alltag angekommen. „Jetzt muss ich erstmal Kaffee kaufen, sonst laufen mir hier meine Leute weg“, erklärt sie augenzwinkernd. Nächstes Jahr will Elisabeth Robens wieder nach Nepal fliegen. In den „Aktivurlaub“...

Viele helfende Hände

Das SKM-Hospital in Nepal ist auf plastische und Wiederherstellungschirurgie ausgerichtet. Hinter dem Krankenhaus steht der Verein Interplast Germany, der jährlich rund 3000 Menschen in Entwicklungsländern hilft. Die Stiftung „Zahnärzte ohne Grenzen“, für die Dr. Robens arbeitet, ist ebenfalls weltweit tätig. Die Kooperation der Vereine in Nepal dient dem Zweck, neben der einzigartigen Spezialklinik auch eine Basisversorgung der Bevölkerung gewährleisten zu können.

Weitere Infos gibt es unter www.nepalhospital.de und www.dwlf.org.

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