WAZ: Paradontose im Himalaya   (14.07.2008)

Statt Urlaub zu machen, fliegt Zahnärztin Elisabeth Robens im Sommer nach Nepal, um dort zu behandeln. Denn in den Bergen gibt es zwar nicht so viele Süßigkeiten, dafür aber genug Karies und zu wenige Ärzte.

Von Alexandra Trudslev

Lembeck. Wenn sie so schnell Zähne bohrt, wie sie mitunter spricht, dann muss keiner vor der Behandlung Angst haben. Elisabeth Robens, Zahnärztin, blonde Haare, 44 Jahre, ist eine lebenslustige Frau mit besonderer Mission. In wenigen Tagen wird sie zum zweiten Mal in Nepal landen, um dort die Menschen zu behandeln, die in der Gegend von Kathmandu unter Zahnschmerzen leiden und deshalb zu ihr kommen. Bohren wird sie auch. Manchmal sind es am Tag bis zu 40 Patienten, die vor dem Krankenhaus in Sankhu warten. „Wir machen so lange, bis keiner mehr in der Schlange steht“, sagt sie. Die engagierte Ärztin aus Dorsten hat vor etwa drei Jahren von der Stiftung „Zahnärzte ohne Grenzen“ in einem Fachmagazin gelesen. Eine Initiative, die sich um die medizinische Zahnversorgung in armen Ländern wie Nepal oder Sri Lanka kümmert. Dafür stellen Mediziner für ein paar Wochen ihr Können zur Verfügung. Geld dafür bekommen sie nicht.

Elisabeth Robens war sofort begeistert von dieser Gruppe – und packte 2006 zum ersten Mal ihre Koffer für eine etwas andere Reise in den Himalaya. Die Dorstener Praxis blieb in dieser Zeir für zwei Wochen geschlossen.

Jetzt schließt sie bald wieder ihr Praxistüren. Und fliegt in eine Region, in der es an vielen Dingen mangelt – nur vielleicht nicht an Reis, Bergen und Zahnschmerzen. „Löcher, viel Zahnstein und Paradontose, das alles plagt die Menschen dort auch“, berichtet sie. Selbst wenn die Nepalesen weniger Zucker essen, schlechte Zähne gibt es überall. Ein kleines Loch kann sich unbehandelt zu einem Riesenmonstrum ausweiten. „Und die Angst vor dem Zahnarzt, die ist übrigens international.“

In ihrem Koffer wird sie neben Bücher für lange Abende in absoluter Stille vor allem Schmerzmittel und Mullbinden transportieren. Letztere fehlen derzeit besonders.

Aus der blonden Ärztin scheinen die Worte nur so herauszuhüpfen, wenn sie über Nepal spricht. „Es ist total anders, die Straßen sind unwegsam, die Fahrer haben nachts Angst vor Walddämonen, der Strom fällt mitunter aus, fließend Wasser hat nicht jeder und über das Arzt-Besteck läuft schon mal´ne Ameisenstraße.“ Ein großes Abenteuer eben, eines, das sie sehr glücklich macht. „Wenn ich könnte, würd´ ich länger bleiben.“

Ihre Patienten, oft Kinder, haben manchmal gar keine richtige Zahnarztversorgung erlebt. „Wenn die mit einem Lächeln bei uns ´raus gehen, dann ist das doch ein Kompliment.“ Es gibt auch Jugendliche, erzählt sie, die sagen: „Mach bitte schön“ und zeigen dabei auf ihre gelben Zähne. Dann kommt der dicke Zahnstein ab, auch das gehöre dazu. Den Patienten sei es wichtig, etwas zu bezahlen. Selbst die Ärmsten lassen als Dank 30 Cent für eine Wurzelbehandlung da, andere schenken auch Blumen. Sie falten dann die Hände und sagen „Namaste“, was so viel bedeutet wie „Ich grüße das Göttliche in Dir.“ Elisabeth Robens strahlt: „Ist doch toll.“ Toll sei auch der Morgen in den Bergen des Himalaya, wenn um sechs Uhr die Sonne über den grünen Reisfeldern aufsteigt, wenn die Nebelschwaden sich verziehen und ganz unten auf dem Feld drei in tiefrot gekleidete Frauen mit der Reisernte beginnen. „Überwältigend“, schwärmt sie. „Es ist gut, mal ganz weit weg zu sein.“ Sie lacht, zupft an ihren Ärzte-Kittel: „Eine Zeit ohne Ärger über Ulla Schmidt.“

Weltweit acht Zahnstationen

Am 19. Juli wird Elisabeth Robens nach Kathmandu fliegen. Von dort aus fährt sie in das etwa 20 Kilometer entfernte Krankenhaus in Sankhu, wo sie arbeiten und wohnen wird. Nur etwa die rund 28 Millionen Einwohner Nepals zur Verfügung. Deshalb ist der Bedarf an ausländischer Hilfe groß. Die Stiftung „Zahnärzte ohne Grenzen“ betreibt weltweit acht Zahnstationen und finanziert sich aus Zahngoldsammlungen und Spenden.

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Drubbel 9
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